Gestern Abend standen wir am Ende laut diskutierend, einander ins Wort fallend, mit den Armen fuchtelnd in der Küche. Angefangen hatte es ganz harmlos. Der Syrer fühlt sich von einer jungen Frau belästigt, mit der er sich ein paar Mal getroffen hat, die er aber nicht heiraten möchte. Heiraten würde er sehr gern, nur eben nicht diese Frau. Eine Frage ergab die nächste. Wenn es um den Sex ginge, deswegen müsste man doch nicht heiraten, und natürlich fiel mir wieder der Vergleich mit der Katze im Sack ein, der schon einmal bemüht wurde.

Aber er hat eben andere Vorstellungen. Fühlt sich Traditionen verpflichtet, und da gibt es Sex erst in der Ehe. Ob wir denn schon welchen hatten. Getöse. So eine Frage an europäische Mittvierziger, Mittfünfziger, Mittsechziger. Auch untereinander? Hast du mit ihm? Du mit ihr? Also, rein theoretisch wäre es möglich, aber nein, wir haben nicht.

Später überlegte ich, ob es nicht auch Vorzüge hat, wenn man nicht alles sofort und gleich bekommt. Das ist in unserer Kultur ja nicht gerade angesagt, da müssen Wünsche sofort erfüllt werden. Kinder lernen nicht, dass man auch mal auf etwas warten muss. So ein bisschen Selbstkasteiung wäre also gar nicht so übel. Aber weil mir eine Religion das vorschreibt? Da sträubt sich etwas in mir. Allerdings bin ich auch ein ungeduldiger Mensch.  Noch dazu einer, der es gar nicht mag, wenn man ihm sagt, was er tun oder lassen soll. Ich muss selber erkennen, ob ewas gut für mich ist, sinnvoll. Dann kann ich mir auch etwas versagen. Nur eben den zweiten oder dritten Kaffee nicht.

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