scheinen alle irgendwohin unterwegs zu sein. Von mir einmal abgesehen, ich bin jetzt schon die vierte Woche am Stück zu Hause. Aber die anderen. Sie sind verliebt, bald oder schon verreist, fangen einen neuen Job an. Die Spanierin zieht mit ihrem Meister in eine eigene Wohnung, der Iraker möchte in das Zimmer der Spanierin. Ich weiß auch warum. Das Zimmer ist zwar dunkel, liegt direkt neben dem Wohnzimmer, aber es hat durchaus Vorzüge. Im Sommer ist es kühl, im Winter wird es muckelig warm, und oft fühlt es sich an, als hätte man das gesamte Erdgeschoss für sich allein. So habe ich es jedenfalls empfunden, als ich dort gewohnt habe.

Für einen winterlichen Rückzug ist dann eher die Dachkammer geeignet. In der ich doch recht mönchisch – auch recht zufrieden – einen Großteil meiner Zeit verbringe. Eigentlich müsste ich gar nicht zu den Franziskanern ins Kloster. Auch dort lebt man in einer Art WG, man isst und schweigt gemeinsam, die Gäste können ja am Alltag der Brüder teilnehmen, wenn sie möchten. Um 7 schon irgendwo zu sitzen, das ist jetzt nicht mein größter Traum, aber es wird mir nicht schaden. Und genauso wie hier ist es natürlich nicht. Dort bin ich auf einem Berg, die Landschaft drumherum ist beeindruckend, und spirituelle Gespräche könnte ich auch führen. Wer weiß, was mir für Ideen kommen, wenn ich ein paar Tage jwd bin.

Heute hatte ich schon die Idee, nach München zu fahren und mir die Ausstellung von Ragnar Axelsson „Where the world is melting“ anzusehen. Seit Jahren folge ich diesem ungewöhnlichen isländischen Fotografen nun schon, dessen Fotos vom Ende der Welt das Desaster dokumentieren, das der Klimawandel bewirkt, die aber gleichzeitig so atemberaubend schön sind, dass ich in der Stille, die sie ausstrahlen, verschwinden möchte.

Eigentlich wollte ich vorläufig nicht nach München, ich habe in den letzten Monaten ja einige Male dort Zwischenstation gemacht. Aber der Ammersee, der ruft mich schon. Nicht nur er, es gibt dort einige Seen, auch Berge, die ich mir gern aus der Nähe ansehen würde. Und zur Ausstellung hätte ich es auch nicht weit. Gedacht, geforscht, gebucht. Zimmer, Zug. Vorher betreue ich noch einmal in Kiel die Mädchen, gehe ins Kloster, das sieht dann doch nach Bewegung aus.

Einen Kommentar schreiben

Ihre Daten werden niemals an Andere weiter gegeben.
Die Email-Adresse wird nicht angezeigt. Notwendige Felder sind so markiert: *

*
*