Archiv für das Thema: Alltag

habe ich lange nicht gesehen. Ich hatte schon Sorge, es könnte ihm etwas passiert sein. Dabei ist er wohlauf. Mein Herz hat gleich einen kleinen Hüpfer gemacht. Erst hörte ich das Pferdegetrappel, dann sah ich die beiden Reiterinnen auf ihren Rossen, und dann mit einigem Abstand kam er wie üblich angetrottet. Ich habe mir einen neuen Schreibplatz eingerichtet, da kann ich nicht nur sehr schön meine kleinen Freunde beobachten – gerade hängen sie mal wieder zu fünft am Knödel – da sehe ich auch, was unten auf dem Weg so los ist. Meist ist ja nichts los. Gar nichts. Nur heute, gerade als ich schnaufend im Beet hockte, kamen Menschen vorbei. Ein Spaziergänger. Ein Radfahrer. Schönen Tag auch.

 

gibt es den Untersee, einen Marktplatz, das Wegemuseum mit der Galerie Alter Laden und wahrscheinlich noch einiges mehr zu besichtigen. Von Neustadt kann man mit der Bahn oder mit dem Bus anreisen, ich habe für die Hinfahrt den Bus genommen. Da ist es vom Halt „Tankstelle“ nicht mehr weit bis zum See. Zweihundert Meter vielleicht. Und mehr als den See und die Fotoausstellung „Zwischen Prignitz und Ruppiner Land“ hatte ich mir für diesen Ausflug nicht vorgenommen. Ich bin immer so glücklich am Wasser. Noch ein bisschen glücklicher, wenn ich einen einladenden Ort finde, an dem ich etwas zu essen bekomme. Caprese mit Seeblick im sympathischen „Casa Nostra“.

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ein neuer Knödel für meine Freunde. Der Rücken ist besser, dafür ist der Schmerz in der linken Kopfseite stärker geworden. Vermutlich kommt es vom Kiefer, auch das Kauen tut heute weh. Wie schrieb ich gestern einer Freundin? Irgendwas ist immer. Das wird sie vielleicht nicht verstehen, sie ist um einiges jünger als ich. Ich schrieb aber dazu, dass es mir sonst ziemlich gut geht. Und das stimmt. Gestern Abend war ich so was von gut gelaunt. Das lag nicht nur an dem exquisiten Lachs auf Salat mit Rosmarinkartoffeln, zu dem Frau J. den Hausmann und mich eingeladen hatte, nicht an dem Seidenhemd, das sie mir später geschenkt hat, aber vielleicht an der dunklen Schoklade, die ich sonst rigoros ablehne. 92 % Kakao. Hallo?

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hat sich ein Starenpaar den Kasten neben meinem Küchenfenster genauer angeschaut. Heute waren Spatzen da. Ich muss die Knödel rationieren, meine Vögel fressen als gäbe es kein Morgen. Im Wald queren zwei Rehe meinen Weg. Sie laufen nach rechts in die Schonung, kommen gleich wieder zurück, dann warnen sie ihre Kumpel. Das Bellen klingt heiser. Kurz vor dem Butterbaum ein einzelnes Kranichpaar inmitten schnatternder Gänse. Sie recken sich in meine Richtung, offensichtlich werde ich als ungefährlich eingestuft. Der Wind ist kalt, es riecht nach Holz und Erde. Ich hätte mein Isokissen und einen Becher Kaffee mitnehmen sollen. Aber hätte hätte.

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schien der Mond mal wieder fast bis zu meinem Bett. Wäre ich nicht so müde gewesen, hätte ich am Deich bestimmt einen wunderbaren Caspar-David-Friedrich-Moment haben können. Aber hätte hätte. Heute um 13.30 Uhr war Vollmond, da war ich unterwegs in Neustadt. Vom Meisenknödel-Dealer zum Supermarkt. Wo ich Schokolade, Kekse und alkoholische Getränke mal wieder links liegen ließ. Tag 11 von 47. Ich kann ohne Zucker – nicht mal das Teelöffelchen Honig gönne ich mir – ohne Alkohol leben. Das weiß ich von früheren Experimenten. Wird das Leben dadurch schöner? Nein. Aber ich habe einen Willen. Immerhin das. Und wer weiß, vielleicht bin ich Ostern erleuchtet.

 

zum Bioladen. Heute bläst der Wind scharf von links. Vom Schwanensee her. Die Hühner legen schlecht zur Zeit, Eier gibt es keine mehr. Im Regal ein letztes Brot. Wenigstens das. Ich sollte vielleicht eher los oder doch vorbestellen. Erst auf dem Rückweg fallen mir die vielen Wildgänse auf, die rechterhand auf den Wiesen sitzen, wenn man Richtung Schwarzwasser fährt. Auch am Himmel ein Getöse, Zug um Zug nähert sich. Am Wiesenrand zwei Vogelbeobachter mit Hightech-Kameras. Dann höre ich die vertrauten Rufe. Auch ein Kranichpaar möchte sich niederlassen. Kurz vor unserem Dorf rennt mir fast ein Fasan in die Speichen. Hier ist ja einiges los heute.

 

haben etwas Trostloses an sich. Das habe ich schon einige Male beobachtet. Wenn die Geschäfte um die Märkte herum geschlossen sind, dann würde zumindest ich auswandern wollen. Ich erinnere mich an ähnliche Empfindungen in Neustrelitz, Güstrow, Angermünde, Beeskow. Jetzt also in Kyritz. In der Bahnhofstraße haben mich in einem Schaufenster schon die blauen und weißen Kunstblumen in Töpfen deprimiert. Da ist der spielRaum in der Mittelstraße 6 ein echter Lichtblick. Der Fußboden bunt, der große Raum hell, einladend, an den Wänden die Werke der gerade ausstellenden Künstlerinnen. Wieder staune ich über die so unterschiedlichen Talente, die es in der Region gibt.

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Den hatten wir ja lange nicht. Gestern am frühen Abend. Heute habe ich schon am Giebel in der Sonne gesessen. Mit den Erinnerungen von Claude Lanzmann. Das Buch hat mir Herr S. gegeben, der glaubt, dass mich die Berichte zu den Recherchen für die Dokumentation „Shoah“ interessieren könnten. Das stimmt, aber bis ich da mal angekommen bin. Bis jetzt haben mich vor allem die Beschreibungen der verschiedenen Hinrichtungsarten und der letzten Minuten und Umstände so ermordeter Menschen verstört. Mörder. Die Verschwörer vom 20. Juli. Die Geschwister Scholl. Arabische Offiziere. Chinesen, die von japanischen Soldaten geköpft wurden. Vielleicht sollte ich bis zur Mitte vorblättern.

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führt an überschwemmten Wiesen vorbei. Schon haben Möwen die neuen Seen entdeckt, Schwäne gleiten stolz an ihnen vorüber. Ich bin so froh, dass mein Bike wieder schnurrt. Der Tipp mit dem Kontaktspray war genau richtig. Allerdings musste ich es zweimal benutzen. So wie ich auch das Touchpad von meinem Laptop zweimal mit Glasreiniger säubern musste, bevor der Cursor davon absah, weiterhin hin und her zu springen. Ich hatte ein wenig Wasser verschüttet, angeblich brauchen manche danach ein neues Gerät. Gut, dass ich den Buckower Freund fragen kann. Der hat für (fast) alle Störungen technischer Art eine Idee.

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Der Waldboden zeigt frisches Grün. Beim Abendspaziergang höre ich die vertrauten Rufe vom Butterbraum, auch hinter dem Deich wird trompetet. Ein einzelnes Paar auf dem Feld vor mir, keine 100 Meter entfernt. Sie haben mich noch nicht entdeckt. Ja. Die Kraniche sind zurück. Im Laufe des Tages kreisten immer wieder einzelne Züge über dem Dorf. So war das auch vor einem Jahr. Da war ich noch als Besucherin hier. Wie die Zeit vergeht. Damals habe ich entschieden, in die Pampa zu ziehen, mir endlich den Traum vom Leben auf dem Land zu erfüllen. Das war ganz schnell gegangen, dafür habe ich nicht mal einen Tag gebraucht.

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