Archiv für das Thema: Alltag

Die Spanierin schläft, sie hat mal wieder Nachtschicht, der Hausmann will in die Stadt. Da war er lange nicht. Und ich, ich mache heute eine richtige Pause. Das findet der Taxifahrer vernünftig, dem ich gelegentlich von meinen körperlichen Malaisen berichte. In unserem Alter müsse man auf den Körper hören. Mein Argument, er würde doch viel mehr laufen als ich, schneller sowieso – er joggt viermal in der Woche 10 bis 15 km, ihm tut meist nichts weh – ließ er nicht gelten. Er würde das schließlich schon seit 30 Jahren so machen. Wo er recht hat, hat er recht.

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zur Krummen Lanke. Im Büro warten Zahlen auf mich. Spätestens nach anderthalb Stunden überkommt mich dann meist das Verlangen nach Süßem. In den Schubladen unter dem Kopierer gibt es einen stattlichen Vorrat, wie ich weiß, aber ich lebe ja gerade abstinent, was derartige Drogen angeht. Gestern, es war der neunte Tag „ohne“, habe ich das zum ersten Mal von Herzen bedauert. Was hätte ich für ein, zwei oder lieber doch gleich drei Mozartkugeln gegeben.

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Heute mache ich mal eine Pause. Eine erste Zwischenbilanz besagt, dass ich in 6 Tagen 60 km gelaufen bin. Für eine wie mich gar nicht so übel. Obwohl der Mopedfahrer, mit dem ich gestern 10 Kilomenter gelaufen bin, mir wieder mit dem Argument kam, ich würde mich doch sonst auch bewegen. Der überschätzt mich, was ja nett ist, aber ich bewege mich sonst erstens weniger und zweitens eher sporadisch. Außerdem ist da auch eher ein „ich sollte, Bewegung ist gesund“ oder ein Kuchen, der mich lockt, wenn wir an der Ostsee sind. Oder ein Weststrand.

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Ich werde um eins oder zwei wach, das Herz rast, stolpert, schmerzt. Dann rede ich dem kleinen Mädchen in mir gut zu, verspreche ihr, dass ich mich um sie kümmere, dass ihr hier nichts passieren kann. Heute Nacht hat das gut funktioniert, nach einer Stunde konnte ich wieder schlafen. Und dann dieser leuchtende Morgen, der mich direkt aus dem Bett zu ziehen scheint. Die Idee an den See zu gehen, findet auch der Hausmann gut, der noch ganz verschlafen aussieht. Während er mit dem Rad zum Bäcker fährt, kümmere ich mich um den Kaffee.

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Einige Spaziergänger haben wie ich Jacke oder Mantel geöffnet. Ich sitze auf der Bank in der Sonne und kann es kaum glauben. Das war vorgestern noch ganz anders. Als ich abends zum See ging, war es dort fast menschenleer, vom Eis stiegen feine Schwaden auf. Eine Eis-Nebel-Landschaft, die viel besser zu meinem inneren Befinden passt. Ich bewege mich wie im Nebel, das Herz rumpelt, der Boden unter mir schwankt. Und jetzt plötzlich Frühling. Neubeginn. Auferstehung vielleicht.

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haben keinen überdachten Futterplatz. Die Körner werden matschig, trotzdem kommen vor allem die Eichelhäher regelmäßig zu der Holzplatte mit dem Futter. Ich habe mir noch einmal die Fotos von den Häuschen angeschaut, die der kreative Bayer in den letzten Monaten gebaut hat, dann haben wir uns für das schlichteste Modell entschieden. Kein Chichi, keine Ornamente, nüscht. Dafür echte Dachpappe oben drauf. Es wird demnächst geliefert.

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Der Tag hatte um 2 mit einer Panikattacke begonnen, und besser ist es nicht geworden. Aber wenigstens hatte die Pfarrerin ihr Versprechen gehalten und nicht übermäßig salbadert. Die eigentliche Rückschau auf das Leben meiner Mutter war kurz – ich weiß ja von meinem verstorbenen  Redner, wie viel Zeit da eingeplant ist – aber die Details stimmten. Meine Mutter hätte gern studiert, ihr Vater hat ihr das nicht gestattet. Das Mädel wird schließlich mal heiraten. So war das Ende der 40er Jahre noch. weiter lesen »

 


Schauer körnigen Eises in Streifen oder Wolken über die Dächer. Gestern schob er diese Formationen auch über den See, der so still und weiß vor mir lag. Seit gestern brummt auch die Gas-Therme, die für warmes Wasser sorgt. Eine Art Dauergrollen, das es früher nicht gegeben hat. Heute Morgen mit dem ersten Kaffee in der Hand gleich einen Termin mit Leuendorf gemacht. Sie schicken heute Mittag jemanden. Und nein, durch das Handy hört man das Grollen nicht. weiter lesen »

 


hat sich das Eichhörnchen die beiden Nüsse geholt, die ich ihm hingelegt hatte. Und dann hörte ich gleich die kleine Säge. Im Haus ist es ruhig. Sie arbeiten, sind bei der Freundin, schreiben seit Monaten in ihrem Zimmer die Masterarbeit. Die Thailänderin sehe ich alle zwei Tage, wenn sie die Treppe hoch oder herunter huscht. Aber alles passt zu meiner Gestimmtheit, die eine eher verschlossene ist im Moment. Gestern habe ich meiner Mutter einen Brief geschrieben. Goloka, mit dem ich gerade wieder regelmäßig telefoniere, hatte das angeregt. weiter lesen »

 


eine Eisschicht. Die Fähre fährt bis auf Weiteres nicht. Schade, ich hatte mir das nett vorgestellt, mal wieder ein Ausflug nach Kladow mit Herrn W., den ich länger nicht gesehen habe. Corona eben. Ich erinnere mich an die Bus-Rundfahrten mit dem 114er, wenn ich im Winter mit „meinem“ Jungen unterwegs war. Manchmal durften wir an der Endhaltestelle sogar drinnen bleiben, obwohl das gegen die Vorschriften verstieß. Und noch eine Runde. Und noch eine. Die Badestelle links vom Löwen war im Sommer oft unser Ziel, er liebte es, dort zwischen den Baumstämmen wie auf einer Insel zu sitzen. weiter lesen »