Die Freundin schreibt in ihrer Mail, sie wäre knurrig heute. Und Du? Ich war gestern knurrig, schreibe ich zurück. Nach einer Spätschicht im Kino brauche ich eigentlich anderthalb Tage zum Regenerieren. Da merke ich, dass ich keine zwanzig mehr bin. Nicht mal vierzig. Wenn man es genau nimmt, gehe ich mit großen Schritten auf die sechzig zu. Und das ist nicht komisch, auch wenn ein junger Kollege neulich witzelte, ich wäre doch noch ein Teenager und meine Gefühle sich manchmal so aufführen, der Körper lässt sich nicht hinters Licht führen, der weiß, was die Uhr geschlagen hat. weiter lesen »

 

Die Mädels hatten großes Glück, sie waren unter den letzten zehn, die noch Karten für „The Artist is Present“ bekommen haben. Ich hatte meine Begeisterung mal wieder so laut und wohl auch so überzeugend heraus posaunt, dass sie den Film nun unbedingt selber sehen mussten. Kurz vor 19.00 Uhr ein Anruf aus der Kaffeebar, da sind zwei Freundinnen für dich. Und dann ihre beseelten Gesichter. Das war schön. Aber es hätte mich auch gewundert, wenn der Film sie nicht genau so wie mich berührt hätte. Habt ihr auch geheult? Sie nicken. Natürlich. Und während sie sich Kaffee und Kuchen bestellen, denke ich, wunderbar, jetzt kommen sie also her in mein Kino. weiter lesen »

 

Es ist kurz nach eins, ich habe acht Stunden gearbeitet bzw. versucht, mir Informationen einzuprägen, Abläufe, wie das so ist, wenn man etwas Neues lernt, und jetzt fallen mir fast die Augen zu. Außerdem bin ich ein wenig beunruhigt. BVG.de hat mir angezeigt, dass ich in Zehlendorf Eiche gerade mal eine Minute zum Umsteigen habe. So wie ich mich kenne, finde ich diesen dämlichen Anschlussbus nicht und muss irgendwo im Nirgendwo mit Eiszapfen an der Nase eine halbe Stunde oder länger auf den nächsten warten. Und dann heißt es wieder, na ja, Frauen eben. weiter lesen »

 

Mit der Regionalbahn bis zur Friedrichstraße. Ein letztes Treffen mit unserer jungen Holländerin, bevor sie Berlin wieder verlässt. Da kennt sie jetzt die Stadt, aber wie es einmal aussah, gerade im Osten, das könnte ich ihr zum Abschied noch zeigen. Und deswegen sehen wir uns im C/O die Fotos von Gundula Schulze Eldowy an, die sie zwischen 1977 und 1990 in Ost-Berlin, später auch in Leipzig und Dresden gemacht hat. Da ich viele Bilder kenne, dachte ich mir schon, dass es nicht gerade leichte Kost sein würde, dass sie mich jedoch so verstören, damit hatte ich nicht gerechnet. weiter lesen »

 

Nein, ich kümmere mich nicht nur um den Hund. Ich mache eine Menge anderer Dinge. Schreibe. Finde einen Job, auf den ich Lust habe. Einmal in einem Kino arbeiten, daran denke ich doch schon eine Weile. Fülle (mal wieder) auf den letzten Drücker den Antrag für das Senatsstipendium aus. Meine persönliche Hölle. Anträge. Aber ich bin überrascht, wie leicht sie es uns im Vergleich zum letzten Jahr doch machen. Man kann alles elektronisch versenden. Textprobe, künstlerischer Lebenslauf, Exposé. Die Antragsteller werden per Mail über den Eingang ihrer Unterlagen informiert. weiter lesen »

 

Der erste Schock im Neuen Jahr. Ich schlage im Laden den angebotenen Kuchen mit der Begründung aus, ich hätte über die Feiertage zwei Kilo zugelegt und müsste jetzt ein wenig kürzer. J. kichert wie ein kleiner Junge. Habe ich gleich gesehen, sagt er. WAS HAST DU? Er kichert weiter, jetzt ein wenig schuldbewusst. Macht ja nichts. Hast noch gute Figur. Und warum muss er dann? weiter lesen »

 

Kaum öffne ich die Augen, der Spalt kann winzig sein, sitzt Hund mit gespitztem Ohr, das andere lässt er wie üblich hängen, vor meinem Bett. Bist du endlich wach? Können wir jetzt raus gehen? Normalerweise erledigt er das mit dem Chef, aber warum sich schon morgens um sechs aufs Fell regnen lassen, wenn man das zwei Stunden später auch noch haben kann? Als ich gestern aus der Stadt kam – ich habe mir mit K. im Cinema Paris Habemus Papam angesehen – wurde ich ungewöhnlich leise begrüßt. Kein Gebell, nicht die üblichen Huhhhs und Hiiiiiis, nur der schwarze Körper, der sich vor mir auf den Rücken wirft, los, kraul mich, und lass dir bloß Zeit. Habe ich schon erwähnt, dass man sich auch in ein Tier verlieben kann? weiter lesen »

 

Gestern ein gemütliches Essen bei den Mädels in Nikolassee. Keine macht den Nussbraten so gut wie K., und die Soße dazu, fantastisch, kann ich nur sagen. Vor, während und nach der Mahlzeit tauschen wir bei Kerzenschein Berichte über unsere Befindlichkeiten aus. Körper, Seele usw., die Aktivitäten an den Feiertagen. Später sitzen wir drei Grazien auf dem Sofa und sehen Tatort. Das ist Glück. Ich bin immer noch schlapp von der Erkältung, die sich seit Wochen ankündigt hatte aber nie richtig ausgebrochen war, die damit bis kurz vor Weihnachten gewartet hat, aber wozu gibt es schließlich Feiertage? weiter lesen »

 

Wie wunderbar man doch beim Teig kneten meditieren kann. Ich beobachte meine Gedanken (wie Wölkchen lasse ich sie dahin ziehen!), ich höre mir selber zu, und gleichzeitig besinne ich mich darauf, dass da offensichtlich noch etwas ist. Denn wenn ich innerlich quatsche (kaum der Rede wert!) und das gleichzeitig beobachten kann, dann muss da ja noch eine sein. Stimmt´s oder stimmt´s? weiter lesen »

 

Mehl auf die Arbeitsfläche, aus dem vorbereiteten Teig zwölf Kugeln formen, die dürfen noch ein wenig ruhen, bevor sie geknetet und ausgerollt werden. Zu guter Letzt Tomatensoße und Käse drüber, fertig sind die Minipizzen. Während ich liebevoll und zärtlich auf mein Werk blicke, wer hätte gedacht, dass ich mich in diesem Leben noch zur Pizzabäckerin mausere, ich auf jeden Fall nicht, da sehe ich die Frau mit dem großen, schweren Rucksack, den sie mit Vorliebe auf unseren Korb mit Keksen knallt, wenn sie den Bankautomaten benutzt. weiter lesen »