Eine Amsel pickt im Gras. Krähen krächzen. Im Nachbargarten klappert es. Die Straße rauscht. Der Rücken schmerzt. Das Eichhörnchen meckert. Im Bauch ein eigenartiges Gefühl. Der Balkon ist morsch, ich kann durch die Bretter hindurch sehen. Das Terrassendach müsste auch mal gesäubert werden. So viele Baustellen. Und mein Rad steht am Mexikoplatz.

 

Aufgewacht mit Angst. Angst vor dem Tag. Der angekündigten Wärme. Vor der nächsten Woche, die ich als Beobachterin in einer Gruppe verbringen werde. Angst davor, vielleicht umziehen zu müssen. Angst davor, hier zu bleiben. So viele Ungewissheiten. Unsere Vermieterin kommt am Sonntag. Wird sie das Haus verkaufen? Die Miete erhöhen? Will sie, dass wir bleiben? Ich muss mich auf den Atem konzentrieren. Und vor allem muss ich das kleine Mädchen in mir beruhigen. Das vergesse ich immer wieder.

 

Immer noch kommen Mails, Anrufe, manchmal stehen auch Nachbarn oder Freunde unverhofft  im Garten. Sie haben den Redner länger nicht gesehen, irgendjemand hat was gesagt, auf welchem Weg auch immer die Nachricht sich verbreitet, alle sind geschockt. Und ich bin ständig am Reden. Zumindest kommt es mir so vor. Wenn ich nicht rede, schreibe ich Mails. Heute war eine ehemalige Mitbewohnerin hier, auch sie hat ein paar Jahre in der WG gelebt, im Sommer hauptsächlich, für sie war dieser Ort ebenfalls ein Zuhause. weiter lesen »

 

Wahrscheinlich geht es den anderen wie mir. Ich habe noch nicht wirklich begriffen, dass Du nicht mehr da  ist. Dass Du nie wieder vor meinem Zimmer stehen und “Dyssek, kann ich mal reinkommen?” rufen wirst. Auf die Silbe “Hoj” und das “Frau” hattest Du in den letzten Monaten aus mir unbekannten Gründen verzichtet. Eine Frage der Effizienz? weiter lesen »

 

ein Haus, in dem die Bäder unter Wasser standen plötzlich. Es tropfte durch die Decken. Panik. Ich passe auf ein Haus auf, und dann passiert so etwas. In der realen Welt haben wir mit der Familie geredet, mit ihnen zusammen geräumt und geschleppt, nach 2 Stunden war der 7,5 t Container voll. Mit Müll. Erstaunlich, was ein einziger Mensch so sammeln kann. Aber das wussten wir ja. Ich habe den vorderen Garten gemäht, den gesamten gesprengt, dabei mich gewässert, den Keller gleich mit, und jetzt ruhe ich mich aus. Die Vögel zwitschern, eine Drossel pickt im frisch Gemähten.

 

Ich habe immer noch seinen Hut auf. Den er nun nie mehr tragen wird. Zwischen 14 und 16 Uhr ist der Redner gestorben. Sie haben mich als erste angerufen, da er mich als seine Partnerin angegeben hatte. Die Yoga-Schnecke hat mich zum Krankenhaus gefahren. Unterwegs gelang es mir, den Sohn zu erreichen, ein paar kurze Nachrichten für Freunde zu verfassen. Habe ich eigentlich gleich geweint oder erst später? Ich kann mich nicht erinnern. weiter lesen »

 

zum Retriever, laufen, eine Pause an der Rehwiese, dann heim auf die Liege. Unterwegs hatte mich eine Dame vom Jobcenter angerufen. Ich darf die Fortbildung trotz des längeren Ausfalls zu Ende machen. Juchu. Ich habe ihr nicht gesagt, dass es mir vor allem auf das Praktikum ankommt. Ich brauche immer mal wieder längere Phasen der Ruhe. Momente der Stille. Kann den Redner nicht erreichen. Dann ruft er mich an. Sein Umzug auf normale Station ist erfolgt. Einzelzimmer. Mein Besuch im Krankenhaus verschoben auf Samstag. Aber morgen telefonieren wir wieder.

 

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bin ich zu müde. Außerdem habe ich mir eine Flasche von den Rieslingen geöffnet, die der Redner angeschafft hat. Hat er mir gestern erlaubt. Ihm ist der Genuss von Alkohol nämlich verboten worden, wenn er noch eine Runde auf dem Karussell bleiben will. Und deswegen darf ich den Weißwein austrinken. Warum eigentlich nicht den Roten? Nie ist diese Frau zufrieden, würde er jetzt vermutlich sagen. Der Wein ist köstlich. Prost, mein Lieber!

 

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