Am roten Schal sollst du ihn erkennen. Herr W. wie immer etwas früher am Fähranleger. Auch mich hat die Sonne vorzeitig aus dem Haus gelockt, hat mir Wärme vorgegaukelt, obwohl es doch kalt ist. Ich sitze schon eine Weile auf dem doppelt gefalteten Schal auf der Bank, gut, dass ich den eingepackt habe, lausche dem Kreischen der Möwen, die mit den Blässhühnern streiten, blinzle immer mal wieder in die Sonne. Auf dem See dieses Glitzern, dazu die Geräusche der kleinen Wellen, die gegen die Mauern schwappen, wäre es wärmer, hätte ich mich längst ausgestreckt. weiter lesen »

 

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Nach dem Frühstück hat mich der Mopedfahrer noch zur Bushaltestelle gebracht. Das gehört ja immer mit dazu zu einem Ausflug nach Ludwigsfelde. Auf dem Hinweg erzählen wir uns das Neueste aus unserem Leben. In der Therme gehen wir getrennte Wege, treffen uns gerade mal für ein paar Minuten auf unseren Liegen. Auf der Rückfahrt erzählt er mir dann Bücher oder Filme. Diesmal Chabrol. Der Schlachter. Ich liebe es, in der Dunkelheit zu sitzen, angenehm müde und entspannt, und mich in fremde Welten versetzen zu lassen. weiter lesen »

 

Vorhin habe ich schon einmal die vertrauten Rufe gehört. Es war aber nur ein einziger Kranich. Vielleicht hatte er den Anschluss verpasst. Gerade eben eine größere Formation. Die sich – mal engere, mal weitere – Kreise ziehend fortbewegt. Dieses Phänomen habe ich schon einige Male beobachtet, aber ich weiß nicht, was es bedeutet. Suchen sie nach einem Landeplatz? Spart es Energien? Ich weiß zur Zeit bei einigen Phänomen nicht, was sie bedeuten.  So weiß ich z. B. nicht, was in der Frau vorgeht, deren Hund ich vor drei Jahren betreut habe. weiter lesen »

 

Obwohl der Zahn raus ist, tun mir Kopf und Ohr weh. Hoffentlich nicht eine von den anderen Baustellen, von denen die nette Ärztin gestern gesprochen hat. Ich weiß gar nicht, ob ich da schon in Tränen ausgebrochen war, oder ob das erst im Anschluss passiert ist. Ich hatte in der Nacht nicht geschlafen, es puckerte in meinem Kopf, das war der Zahn, in meiner Psyche rumorte es, das waren die Nachwehen der Freitags-Diskussion, und dann die Botschaft, der Zahn wäre nicht zu retten. Von meiner generellen Zahnarzt-Phobie ganz zu schweigen.  weiter lesen »

 

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Beim Kaffeekochen die Thailänderin in der Küche getroffen, die heute mündliche Prüfung hat. Gott sei Dank auf Englisch, wie sie mir erzählte, sonst wäre sie nämlich tot. So hat sie nur nicht geschlafen. Ich habe ihr versprochen, dass alles gut wird, bevor sie mit den zwei Toasts, die sie auf dem Weg zur S-Bahn verspeisen wollte, nach draußen verschwunden ist. Mich selbst sollte ich auch ermutigen. Alles wird gut. Nach dem Termin beim Zahnarzt am Samstag werde ich so was von glücklich sein, werde keine Kopfschmerzen mehr haben, gebohrt wurde auch nicht. weiter lesen »

 

Moritz Rinke hätte sein Stück auch “Szenen einer Ehe” nennen können. Ein etwas älteres Paar hat sich gerade ein Haus in bester Lage gekauft, “Westend” eben, noch ist es unmöbliert. Eduard ist Schönheitschirurg, Charlotte ist Opernsängerin und nicht mehr so gut im Geschäft. Und dann kommt für ein paar Tage der alte Freund, der gerade noch in Afghanistan zerschossene Kinder operierte, und die junge Tochter des Nachbarn darf für eine Weile auch ein Zimmer in dem leeren Haus beziehen. Da knistert es dann plötzlich kreuz und quer. Nun ja. weiter lesen »

 

Um sieben ist es noch dunkel. Aber das habe ich schon in den letzten zehn Tagen gemerkt. Nur bin ich heute wieder in meinem eigenen Bett aufgewacht. Im Erdgeschoss kein Hund, der mich mit diesen unergründlichen braunen Augen ansieht, weil er auf sein Leberwursthäppchen wartet, in dem die Tablette versteckt ist, die er aussortieren würde, täte man sie ihm ins normale Futter. Ich muss auch nicht im Halbschlaf vor die Tür. Das gefällt mir. In der WG alles so wie immer. Fast. Den Hausmann hat eine heftige Erkältung erwischt, die Spanierin hatte nach fünf weiter lesen »

 

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