Archiv für das Thema: Unterwegs

Jetzt scheint die Sonne. Aber es ist kalt in München. Doch das macht nichts. Denn 1. fahre ich gleich weiter, und 2. hat mir das Munich Inn diesmal ein richtig schönes Zimmer gegeben. Es ist groß, hat einen Schreibtisch, und vor allem ist es warm. Ich war in den letzten zwei Wochen so viel in kalten Häusern, Räumen, dass ich diese Wärme sehr zu schätzen weiß. Dabei war mein letzter Tag in Piran durchaus von Wärme geprägt. Viele Menschen zeigten Haut. Ich saß am Nachmittag an der Adria auf meinem Mantel an der Mole, den Rücken an warmen Stein gelehnt und machte nichts weiter, als entweder mit geschlossenen Augen die Sonne zu genießen oder auf das Blau vor mir zu schauen.

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vor unserem Haus sind etwa ein Dutzend Stände aufgebaut, von denen im Moment nur einer bespielt wird. Obst und Gemüse. Im Sommer ist das anders, da ist hier jeden Tag Markt. Als ich mich gerade ein paar Meter mit meinem Einkauf entfernt habe, höre ich, wie der Verkäufer zu einer Einheimischen sagt, ich wäre die komische (oder die alte?) Deutsche, die maximal zwei Stück von einer Sorte kauft. Ich hätte gern „razumem vsako besedo“ gesagt, aber da hatte ich es noch nicht gegoogelt. Ich verstehe alles. Dabei bin ich froh, dass ich nicht alles verstehe. Ich kann mich an öffentlichen Orten sozusagen ausklinken.

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das „Zahlen!“ schon, sagt die eine zur anderen. Dann kichern sie. Die für den Opernball geschminkten Damen neben mir im Café auf dem Tartini-Platz kommen aus Österreich. Sie haben Wein getrunken – das scheint hier mittags jeder zu tun – haben ihre Gläser festgehalten, denn nach wie vor fliegen die hier vom Tisch, fliegen Stühle durch die Gegend. Auf dem Platz des 1. Mai lagen vorhin einige Sonnenschirme quer. Als ich gestern Mittag den Leuchtturm umrunden wollte, weil man von dort nach Fiesa laufen könnte, war das nicht möglich. Der Wind drückte mich zurück. Und dann dachte ich, jemand hätte mir von hinten gegen die Wade getreten, aber auch das war der Wind.

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ins Guesthouse kam, war alles dunkel. Keine Geräusche, nur der Kinderhochstuhl und ein kleines Auto auf dem Fußboden im Flur ließen neue Gäste vermuten. Und dann konnte ich sogar mein Zimmer heizen. Ich ging zeitig ins Bett, wurde allerdings von einem Hustenanfall in Kombination mit sich andeutender Atemnot wieder aufgescheucht. Himmel, das hatte ich länger nicht. Und ehe ich das Spray aus der Tasche hatte. Bis jetzt bin ich noch nie in Ohnmacht gefallen, die Freundin aus Celle hat mir auch versprochen, dass sich, selbst wenn dieser Fall eintreten sollte, die Bronchien während er Ohnmacht entspannen. Aber wissen die das?

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im Café des Stadtmuseums. Am Nachmittag herrscht hier eine angenehm entspannte Atmosphäre, was daran liegen könnte, dass nur wenige Tische besetzt sind. Der Tag begann heute mit einer kalten Dusche, das war in den letzten Tagen schon so, aber inzwischen habe ich Routine. Ich dusche ein paar Sekunden, die Haare wasche ich dann später in meinem Zimmer über dem Waschbecken. Dort ist das Wasser – bis jetzt jedenfalls – immer warm. Im Zimmer ist es kalt, denn selbstverständlich schaltet Sergey die Heizung noch nicht an. Wahrscheinlich denkt er sich, das wäre albern, wenn doch immer alle Türen aufstehen. Ich habe ihn in den letzten Tagen nicht gesehen, ich weiß nicht, was er denkt.

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Es ist kalt geworden. Gerade mal 13 Grad hatten wir heute. Nach dem ich in der Nationalgalerie war, habe ich zügig einen Second Hand Laden aufgesucht, von denen es hier viele gibt. Ich habe mir einen wattierten Mantel gekauft. Ich habe so gefroren, aber ich fühle mich auch ein bisschen krank. Vielleicht eine Reaktion meines Körpers auf die äußeren Umstände. Ich kenne das von anderen Situationen, in denen ich mich eingeengt fühlte. Jetzt freu ich mich auf Samstag, auf mein eigenes kleines Apartment. Weil ich am Wochenende nach Piran fahre, gab es einen ordentlichen Rabatt auf das Ticket. 3,40 Euro, ich dachte, ich hätte mich verhört. Das gesparte Geld habe ich im „Nebotičnik“ ausgegeben.

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denn bleiben ist nirgends. Das schrieb ja schon Rilke in einer der Duineser Elegien. Die drei Serben sind aber immer noch da, Ziveli, sie sind wegen der Arbeit hier. Und dass ich sie morgens, wenn es draußen noch dunkel ist, höre, liegt nicht etwa daran, dass sie nicht leise wären, ganz im Gegenteil, das liegt an der Hellhörigkeit dieses Apartments. Gestern am späten Abend habe ich kurz die vier neuen jungen Leute aus dem Zimmer über den Flur gesehen, meist hatte er oder sie eine Zahnbürste im Mund, man nickt sich zu, hi, und das war es dann. Ich glaube, sie sind heute schon wieder abgereist. Die junge Frau aus dem Zimmer neben mir träumt davon, an einem sicheren Ort zu leben. Ihr Freund ist Slowene, sie könnte sich Maribor vorstellen.

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stand ich kurz vor einem Mord. Es war mir nur nicht ganz klar, wer dran glauben müsste. Als ich nach Hause kam, saßen drei junge Männer in der Küche, einer stand am Herd und kochte. Das waren definitiv nicht die Belgier, die waren nämlich schon wieder ausgezogen. Woher diese jungen Männer nun kamen, Ost-Europa ist groß, sie haben es mir nicht verraten, sie haben so getan, als wäre ich Luft. Nach zwei Stunden waren sie dann wieder fort, dafür tauchte mein russischer Host Sergey mit drei neuen Männern auf. Zwei Serben, ein Montenegriner. Sie hätten noch mehr mit mir geredet, aber die Sprache. Egal. Ich habe meinen letzten Wein mit ihnen geteilt und ein neues Wort gelernt – Živeli, was auf serbisch so viel wie Prost bedeutet – bevor ich in meinem Zimmer verschwunden bin.

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von meiner Unterkunft entfernt, hier habe ich einen warmen und trockenen Platz gefunden. Es regnet, mein Heimatwetterdienst wusste das, ich habe allerdings dem hiesigen Wetterdienst vertraut. Es gibt sehr guten Kaffee, sehr preiswert noch dazu, leider nur süße Croissants, aber ich bin sehr zufrieden, geradezu beglückt. Auch die Dauerberieselung mit Musik aus den 80ern und 90ern – überwiegend im Phil-Collins-Style – stört mich nicht, ich höre sie nämlich nicht, wenn ich schreibe. Ich kann mich an einem öffentlichen Ort gut konzentrieren, besser sogar als in meinem Zimmer im Green Guesthouse.

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sind schon wieder abgereist. Ein Paar aus Bosnien-Herzegowina. Sie haben heute Morgen warm angezogen ihren Kaffee auf dem Balkon getrunken. Sie sprach ein paar Worte englisch, er eins. Cold. Da hatte er recht. Meine Nachbarn von gegenüber sind noch nicht vollzählig, wie ich von dem jungen Mann im Schlafhöschen erfahren habe. Belgier. Tatsächlich vier insgesamt. Auch der junge Mann war etwas irritiert von der Aussicht, das winzige Klo, die eher provisorische Dusche nicht nur mit mir, sondern eventuell noch mit zwei anderen Neuzugängen zu teilen. Ich hoffe, dass die jungen Leute morgens länger schlafen und abends spät nach Hause kommen. Dann könnte die WG auf Zeit funktionieren.

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