Archiv für das Thema: Unterwegs

am Morgen blausa. Über den Bergen das schönste Farbenspiel. Auch hier taut es, aber auf den Hängen ist es immer noch weiß. Bis Weihnachten wird es wohl so bleiben, sagte der Bauer. Die Freundin hat Geburtstag, auf der Fensterbank steht die Sachertorte, die es zum Kaffee geben wird. Dann noch ein letzter Stadtbummel, vielleicht ein kleines Essen bei Uncle Van, ein geistiges Getränk, um auf den Weltfrieden, die Liebe und die anstehenden Veränderungen anzustoßen. Und das war es dann mit meinem Besuch. Morgen fahre ich heim. So die Deutsche Bahn es will jedenfalls. In Salzburg angekommen bin ich mit drei Stunden Verspätung, da wäre ja noch einiges möglich. Und jetzt wartet das Drachenspiel.

 

ein Streifen Sonne. Die Hänge sind weiß. Und wie still es hier ist. So insgesamt. Bis kurz nach neun jedenfalls. Dann höre ich Stimmen aus der Küche. Das Frühstück wird vorbereitet. Meine Mitarbeit ist weder notwendig noch erwünscht. Ich darf im Bett bleiben. Später umrunden wir den Hausberg. Unter unseren Füßen knirscht es, manchmal rieselt es von oben. Es ist so schön, ich könnte mich mit einem Juchzer in das Weiß fallen lassen. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal in einem solch schönen Schneewald war. Auch Bad Reichenhall – wir haben gestern einen Ausflug nach Deutschland gemacht – hat mich verzaubert und in eine eigenartige Stimmung versetzt. Das Industriedenkmal Alte Saline wie im Frost erstarrt.

 

die Stimmung friedlich. Die Kinder malen, er hört Musik und singt, sie duscht, ich versuche hier ein bisschen zu schreiben. Vom Salzburger Weihnachtsmarkt, auf dem wir gestern waren, von den geschmückten kleinen Holzhäuschen, in denen es schöne Dinge zu kaufen gibt, die man zwar nicht braucht, die aber nett anzusehen sind. Vom Schnee, der leise rieselte. Von den Kinderaugen, die an den offenen Wagen der Mini-Eisenbahn hingen. Vom Weihnachtsfeeling eben. Später sind wir mit dem Auto den Berg hinaufgerutscht. Sehr langsam, sehr vorsichtig. Heute sollen Schneeketten angelegt werden. .

 

quietscht erbärmlich. Die Birke leuchtet und winkt mir zum Abschied ins Zimmer hinein. Gestern stand ich bei meiner Wanderung um den Zierker See lange unter einer Gruppe von Zitterpappeln. Dieses Geräusch. Als würde ein heftiger Wind, ein Orkan fast, über mich hinwegrauschen, mich mit sich forttragen, vielleicht hinauf zu den Kranichen, die in einiger Entfernung kreisten und das vertraute gru gru hören ließen. Später lachte die Frau in der Inselkneipe, als sie mich sah. Sie können es wohl nicht lassen. Richtig. Ich kann so schwer nur lassen von diesem Ort.

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die Blätter der Birke zum Leuchten. Ein paar Bäume habe ich hier schon, auf die ich vom Bett aus schauen kann. Der Parkplatz muss halt ignoriert werden. Gestern hatte ich einen ganzen Wald fast für mich allein. Es laufen so wenig Menschen durch die Serrahner Buchenwälder. Und immer gab es einen starken Stamm, an den ich mich lehnen konnte. Mal, um mein Picknick zu verzehren, ein anderes Mal, um die Sonne mit geschlossenen Augen zu genießen, die Waldluft zu atmen, den Wind auf der Haut zu spüren. Das ist pures Glück.

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von Booking.com stand, ich würde vom Balkon aus den Blick in eine grüne Landschaft genießen können. Mein Blick geht auf einen Parkplatz und auf einen rosa Schuppen. Deswegen habe ich die Verlängerung um eine Nacht wieder rückgängig gemacht. An der Rezeption war man bemüht, aber leider, leider, ein anderes Zimmer haben sie nicht. Nett sind sie ja hier im Öko-Hotel, und höchstwahrscheinlich werde ich meinen Aufenthalt auch ohne Grünblick genießen. Der Blick von der Inselgaststätte auf den Zierker See dagegen ist ganz wunderbar.

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entdecke ich Neues. In der Natur, an mir. Mir war gar nicht klar, wie sehr ich Flüsse und die sie umgebenden Landschaften mag. Flüsse, die nicht begradigt wurden, die keiner irgendwie passend gemacht hat. Sie bieten neben wechselnden Ein- und Ausblicken an ihren Ufern eine vielfältige Fauna und Flora. Und Stille. Die natürlich nicht wirklich still ist.

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Ein Zahn tut weh. Oben rechts. Der arg lädierte. Wird wohl ein Suppentag werden. Ein Hahn kräht. Auf dem See ein Angler in einem Ruderboot. Heute Morgen lag eine dicke Nebelschicht auf dem Wasser, jetzt ein großes Leuchten. Ohne die Geräusche der nahen Straße wäre es hier noch beeindruckender. Zeit. Ich brauche mehr Zeit.

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Der letzte Morgen. Ich habe bei Edeka gefrühstückt, labbrige Brötchen, irgendwie passt das zur Abreise. Ich bin ein bisschen traurig. Würde gern bleiben. Noch mehr Urwald, noch mehr Meer. Bei meiner Ankunft am Strand kommt ein Schwung Möwen angeflogen. Als hätten sie in der Düne auf mich gewartet. Sie bleiben eine Weile in der Luft über mir stehen, es sieht aus, als würden sie winken, dann lassen sie sich in einem Halbkreis um mich herum nieder. 24 sind es. Ich habe sie gezählt. Jetzt kann ich gehen.

 

wie schlecht ich mich fühlen kann, wenn ich um 3 oder 4 in der Nacht aufwache. Die alten Dämonen sitzen an meinem Bett. Sie erzählen mir etwas von Schuld – mein Lebensthema – und davon, dass ich am Ende meines Lebens alleine sein, alleine sterben werde. Aber muss das nicht jeder? Darauf antworten sie natürlich nicht. In dem Buch über Hildegard von Bingen „Ich bin krank vor Liebe“ habe ich den berühmten Vers 23 gefunden. Als ich ihn mir gestern am Strand laut vorgelesen habe, musste ich weinen. Ein Zeichen. Also lese ich mir jetzt diesen Vers vor, lese ihn mir noch einmal vor, und noch einmal. Laut. So laut, wie das zu dem frühen Morgen eben passt. Dann Friede.