Archiv für das Thema: Unterwegs

Nachdem ich am Montag kurz vor einem Mord stand, war ich nach drei Stunden dann doch bei meinem Stiefvater. Mit einem aktuellen Schnelltest in der Tasche selbstverständlich. Kaum gibt es in Berlin mal ein bisschen Winter, schon fahren die öffentlichen Verkehrsmittel nicht. In Karow den Zug verpasst, eine halbe Stunde in eisigen Verhältnissen auf den nächsten gewartet. Hier dafür ein freundlicher Empfang, ein warmes Zimmer. Alles wie sonst. Bis hin zum Eierlikör als „Absacker“ nach dem Abendessen zusammen mit den 19-Uhr-Nachrichten im Fernsehen. weiter lesen »

 

Gestern habe ich meinen täglichen Spaziergang mit der nordischen Freundin gemacht, die es schön findet, dass ich mal bei ihr in der Nähe bin. „Und hier läufst du alleine?“ Ja, das mache ich. Aber ich habe auch gleich zugegeben, dass ich manchmal ein komisches Gefühl bekomme. Wenn zwischen den Bäumen unverhofft ein Mann auftaucht z. B. Da, wo gar kein Weg ist. Dann laufe ich sehr zügig in die entgegengesetzte Richtung. Neulich stand ein gelbes Postauto auf einem Waldweg. Mir wurde gleich mulmig. Solch ein Auto ist eine gute Tarnung für jemanden, der Menschen auflauert. Die Freundin lachte. „Wir haben zu viele Krimis gelesen.“ weiter lesen »

 

wieder im Brandenburgischen. Mit dem Ergebnis eines frischen Covid Schnelltests in der Tasche. Das hatte sich der Stiefvater so gewünscht. Weil ich ja eine unsichere Kandidatin bin mit meiner WG. Ich habe mich um den Druck der Traueranzeigen gekümmert, gekocht. Alles wie immer. Nach dem Essen hat mir der Stiefvater von seinem Vater erzählt, den ich ja noch kennengelernt habe. Ein großer Leser. Vielleicht mochte ich ihn deswegen so, oder weil ich das Gefühl hatte, von ihm ernst genommen zu werden. Heute Morgen bekam ich ein Foto, das ihn in der Uniform seiner schlagenden Verbindung zeigt. weiter lesen »

 

sitzt der Stiefvater, der seit 5 im Haus unterwegs ist. Die Heizung funktioniert nicht, er hat schon alles probiert, immer wieder leuchtet es rot. Wir warten auf den Monteur. Das heißt, dass ich nicht mit meinem Kaffee zurück ins Bett kann, sondern dass ich mir etwas anziehen sollte. Dem Anlass angemessen. So wie gestern, als der Bestatter noch einmal ins Haus kam. Ich hatte mich für eine schlichte schwarze Stoffhose meiner Mutter entschieden, da meine Jeans voller Aerosole ist. So sagen es die öffentlich-rechtlichen Sender, und die müssen es ja wissen, sagt mein Stiefvater. weiter lesen »

 

sind hier klar strukturiert. Um 10 Uhr wird gefrühstückt, um 13 Uhr gibt es je nach Gusto Brühe aus der Tüte oder Joghurt, um 15 Uhr Kaffee, etwas Süßes und die Nord-Story, um 18 Uhr spätestens wird zu Abend gegessen. Die Köchin wird gelobt, die  zusätzliche Portion eingefroren. Am frühen Abend schauen wir uns gemeinsam die Nachrichten an, später eventuell einen Film. Eigentlich bin ich eher für das Spontane, aber jetzt empfinde ich diese Regelmäßigkeiten als tröstlich. Der Wald ist nah, dort laufe ich nachmittags eine Stunde und fühle mich ebenfalls getröstet.  weiter lesen »

 

Alle Stunde höre ich den Stiefvater im Flur. Er schläft schlecht, kein Wunder, ich kann gar nicht erst einschlafen. „Wie deine Mutter.“ Stimmt. Ich weiß, dass sie schlecht schlafen konnte, dass sie Tabletten nahm. Das mache ich nicht. Ich wiederhole Gedichte, aber das hilft mir gerade nicht. Außerdem habe ich wie meine Mutter immer die Daumen zwischen Zeige- und Mittelfinger, wenn meine Hände in Mantel- oder Jackentaschen stecken. Das haben wir erst vor einigen Jahren herausgefunden. Was denn, du auch? weiter lesen »

 

Ich sitze im rosa Bademantel meiner Mutter – in dem ich wie ein alter Plüsch-Elefant aussehe – im Haus meiner Eltern in der Küche und trinke Cappuccino aus der Tüte. Ich habe nicht geschlafen. Eigentlich auch nichts verstanden. Überall ticken hier Uhren. Sonst ist es sehr still. Viel stiller als zu Hause. Gestern gegen 19 Uhr rief mich mein Stiefvater an. Meine Mutter war am Nachmittag gestürzt. Das dritte Mal innerhalb einen Jahres. Anfangs hatte es wohl harmlos ausgesehen, eine Platzwunde am Kopf, nichts tat ihr weh, sie wollte auf keinen Fall, dass der Rettungsdienst gerufen wird.  weiter lesen »

 

Von Sylt nach Celle, eigentlich gar nicht so weit, trotzdem ein anderes Universum. Seit gestern Abend sind die Mädchen bei der Oma, das wurde so gewünscht, und für den Schulalltag ist es für alle günstiger. Am Wochenende ware ich mit ihnen im Kino, wir haben Waffeln gegessen, und mit der Großen habe ich wie versprochen die Himbeertorte im Café Kräu Thear getestet. Wir sind ja beide große Himbeer-Torten-Fans. Und ja, diese Torte können wir empfehlen. Mit der Jüngeren habe ich heute mein Extra-Date, ich hole sie gleich von der Schule ab. weiter lesen »

 

den nördlichsten Punkt Sylts besucht, den Ellenbogen bei List, der auch der nördlichste Landpunkt in Deutschland ist. Eine Dünenlandschaft, grün und braun gesprenkelt, nicht ganz von dieser Welt. Schmale Wege führen zum Strand, das Baden soll dort lebensgefährlich sein. Als ich die großen Wellen fotografieren wollte, war das Smartphone weg. Ich wusste sogar, wo es war. Im Dixi Klo am Parkplatz. Ich erinnerte mich nämlich plötzlich an das Geräusch, das mich so irritiert hatte. Eine Art Aufschlag. Also lief ich so schnell ich konnte zurück.   weiter lesen »

 

hatte fast eine Stunde Verspätung. Immer wieder lief mir unter der Maske der Schweiß über das Gesicht. Gott sei Dank saß niemand neben mir, das hätte mir den Rest gegeben. Mit Wartezeiten war ich acht Stunden unterwegs. Aber wann wird man schon mal nach Sylt eingeladen. Das passiert ja eher selten bis gar nicht. Die Freunde stehen entspannt am Ende des Bahnsteigs. Sie haben einen langen Spaziergang am Meer hinter sich und immer noch gute Laune. Meine Freundin sieht aus wie eine von den Schönen und Reichen, die man hier ja an jeder Stelle findet. Klassisch maritim. weiter lesen »