Gestern habe ich nach Tagen mal wieder mein Sofa verlassen können, auf dem ich mich in der letzten Woche eingerichtet hatte. Wenn ihm mein hin und her Gehopse auf die Nerven geht, wenn ich der Meinung bin, mal wieder alles gleichzeitig machen zu müssen, dann schickt der Körper einen ordentlichen Schnupfen, gern gepaart mit einer Reizung der Bronchien, und schon liege ich ergeben in der Waagerechten.

Von dem erhöhten Taschentuchverbrauch, der körperlichen Schwäche und den unappetitlichen Geräuschen mal abgesehen, hat so eine kleine Erkältung aber auch ihr gutes. Ich konnte endlich all die Bücher lesen, die ich schon lange lesen wollte. “Ruhm” von Daniel Kehlmann, hoch gelobt in unserer monatlichen Leserunde. Mehrere kleine Geschichten, jede für sich komplett und ausgewogen, manche verstörend, andere komisch, am Ende ergeben  alle zusammen sogar einen Sinn.

Wahrscheinlich wird es bei mir nicht das Buch des Jahres 09, aber auf einen der vorderen Plätze kommt es bestimmt.  Dahin gehört dann auch der Briefwechsel zwischen Frau Bachmann und Herrn Celan, für einen bekennenden Biografie-Junkie wie mich, der gern in fremden Leben herum schnüffelt, ein Muss natürlich. Was diese beiden großartigen Autoren über ihre Liebe schreiben oder in großen Teilen eben auch nicht schreiben, sondern andeuten, verschleiern, wie sie sich gegenseitig feine Stiche versetzen, das ist große Kunst. Literarisch und zwischenmenschlich.

Auf lyrikline.org kann man sich übrigens einige Gedichte der Autoren auch im Originalton anhören. Rundfunkaufnahmen aus den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Eine schöne Neuentdeckung für mich, diese Online-Plattform. Es ist Zeit, dass es Zeit wird. Nach dem Hören vermute ich allerdings, dass mir Herr Celan vielleicht nicht sympathisch gewesen wäre. Vielleicht hätte auch nur ein anderer seine Gedichte lesen sollen. Vielleicht liegt es am Pathos dieser Jahre,  aber ich kriege eine Gänsehaut, und nicht vor Begeisterung. Ganz anders geht es mir da mit Billy Collins, leider nur auf Youtube zu sehen und zu hören. Warum eigentlich nicht auf lyrikline? Das sind so Fragen mit denen sich eine Kranke beschäftigt.

1 Kommentar

  1. Annelies
    geschrieben am 4. November 2009 um 10:48 Uhr| Permalink

    Good to see you’re writing regularly again!

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