Immer wenn ich jetzt in den Wald komme, ist da mehr Grün, nicht nur an den Wegesrändern. Dezenter Knoblauchduft vermischt sich mit den süßen Düften der weiß und rosa blühenden Sträucher, die der große Planer zur Auflockerung mal hierhin mal dorthin gesetzt hat. Meist finde ich einen Sitzplatz am Fuße eines Baumes, an den ich mich auch anlehnen kann, die Füße ausgestreckt. Vor kaltem Wind schützt mich mein blaues Regencape, in das ich mich einwickle, vor feuchter Kälte von unten meine kleine Isomatte. So sitze ich mindestens eine Stunde. Ich liebe das Rauschen der Wipfel, die verschiedenen Farben und Stimmungen.

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sind wir gestern alle zur Schnelltest-Station im Studentendorf gegangen. Die Thailänderin war die letzte, die anderen hatten schon längst ihre Ergebnisse. Sie war vor Sorge ein bisschen blass um die Nase, als ich sie in der Küche traf, aber natürlich war auch sie am Ende negativ wie wir. „Dann geht in die Welt hinaus und seid vorsichtig. “ Hatte ich in unsere Messenger-Gruppe geschrieben. Was der Hausmann mit „und mehret euch.“ ergänzte. Zumindest die Thailänderin hat das verstanden.

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Wach mal wieder um fünf, herumgewälzt, um sechs eingesehen, dass ich nicht wieder einschlafen werde. In die Küche geschlichen, Espresso aufgesetzt, zurück ins Bett, mit kleinen Schlucken den köstlichen Trank genossen. Eigentlich mag ich diese frühen Morgenstunden, ich käme nur nicht auf die Idee, mir extra den Wecker zu stellen. Im Haus ist es still, nicht mal den Iraker hörte ich husten. Es geht ihm ein wenig besser. Wie es scheint, hat sich keiner von uns angesteckt. Was kein Wunder ist bei den Sicherheitsvorkehrungen und den Möglichkeiten, die wir hier haben. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie dieselbe Situation von einer mehrköpfigen Familie in Neukölln überstanden werden soll.

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Das Essen bei uns ist exquisit. Gestern gab es – natürlich nur für den Kranken – drei warme Mahlzeiten, abends wurde hinter vorgehaltener Hand gemunkelt, dass die Thailänderin ihm sogar ein Menü servieren würde. Gesund ist der Iraker nächste Woche vielleicht, aber passen ihm dann seine Hosen noch? Q. sollte gestern von seiner Freundin einen Sandwichmaker bekommen, damit er wirklich nicht mehr die Küche benutzen muss. Die Spanierin ist ziemlich rappelig, manchmal läuft sie Runde um Runde um das Haus. Der Hausmann hat für unser bestes Messer einen neuen Griff geschnitzt, richtig gut sieht der aus, ich bin gespannt, was er als nächstes plant.

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Es wird langsam hell. Der Irakter hustet. Das tut mir allein vom Hören weh. Dabei ist er sonst ganz munter, fühlt sich einigermaßen, sagte er gestern Abend jedenfalls. Ich bin froh, dass sich doch alle an die Quarantäne gehalten haben, auch wenn uns das Gesundheitsamt am Freitag noch gesagt hatte, dass wir nicht in Quarantäne müssten. Montag Früh haben sie ihre Meinung dann geändert, dann hieß es, doch, alle müssen in Quarantäne. Logischer ist es. Der Iraker hat die britische Covid-Variante, die ja um einiges ansteckender sein soll. Das haben sie zumindest Q. am Montag Abend noch telefonisch mitgeteilt. Und dass sie vielleicht jemanden schicken, der alle testet.

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Wenn ich aus dem Fenster schaue, dann sehe ich den großen Haufen, den Q. in seinem ungeheuren Tatendrang gestern am frühen Abend aus dem Farnfeld herausgeharkt hat. Blätter, Kiefernnadeln, hoffentlich kein Farn. Ihn trifft die Situation wahrscheinlich am härtesten. Der Iraker ist tatsächlich positiv, allerdings muss keiner von uns in Quarantäne, da jeder von uns in den letzten Tagen nur maximal fünf Minuten mit dem Iraker in der Küche geredet hat. Mit großem Abstand. Wir leben ja seit Monaten sehr zurückgezogen, jeder macht seins, alle essen in ihren Zimmern, sogar ich, jedenfalls seit ich ohne Drogen lebe. Seit 37 Tagen also.

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Als ich vor zwei Wochen mit der nordischen Freundin um den Hellsee laufen wollte, habe ich abgesagt, weil ich mir am Tag zuvor einen Zeh blutig gelaufen hatte. Heute sind die Zehen okay, dafür tut mir der untere Rücken weh, was vermutlich an den vielen Hügeln liegt, die ich gestern überwunden habe, aber egal, ich bin auf dem Weg zur Verabredung. Kurz vor meinem Ziel kommt eine Nachricht vom Iraker. Er fühlte sich heute gar nicht gut, jetzt war er beim Arzt, vielleicht hat er Corona. Das Testergebnis bekommt er morgen oder nächste Woche. Er ist in Quarantäne, Vorsicht sei geboten, schreibt er, und dass ich doch die anderen informieren soll.

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