würde ich den Film „Aznavour by Charles“ nennen. Das liegt sicherlich an den Texten, die von dem Schauspieler Romain Duris gesprochen werden. Obwohl ich die Sprache nicht beherrsche und ich mich auf die Untertitel konzentrieren musste, diese Stimme passt perfekt. Die Texte stammen aus verschiedenen Autobiografien von Charles Aznavour und aus persönlichen Gesprächen, die der Regisseur Marc di Domenico mit dem Künstler geführt hatte. Erst ein Jahr vor seinem Tod hatte Aznavour seine Schatzkammer geöffnet, hatte dem Filmemacher gesagt, vielleicht wüsste der ja etwas mit dem Material anzufangen.

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habe ich wenigstens noch ihre Hörner oder „A Bouquet of Love I Saw in the Universe“ im Lichthof gesehen, mich in ihnen verloren. Die Ticketts für die Ausstellung waren immer sofort ausverkauft, oder ich war immer zu spät, egal. Gestern nun der Film. „Kusama: Infinity“. Herr W. sagte vorgestern, es würde ihn erstaunen, dass ich plötzlich wieder so aktiv wäre. Hätte er doch hier auf dieser Seite gelesen, dass ich in der Corona-Zeit nichts vermisst hätte in Sachen Kultur oder Kunst. Das ist für mich kein Widerspruch. Ich habe nichts vermisst, bin jetzt aber neugierig auf Ausstellungen, auf Filme. So wie ich neugierig auf Yayoi Kusama war.

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mit Herrn W. seit langem. Er ist noch nicht ganz wach, die anstrengenden Ladentage gehen nicht spurlos an ihm vorüber. Drinnen ist es angenehm kühl, und auch später, als wir in Charlottenburg beim Italiener sitzen, weht immer mal ein frischer Wind. Bis auf kleine Details in der Rezeption sind wir uns einig. „Wer wir waren“ ist ein guter Film. Auch wenn wir das alles schon wissen. Der Text aus dem Off stammt von Roger Willemsen, und er hat mir gleich zu Anfang nicht nur eine dicke Gänsehaut beschert, ich habe die Zeilen fast bis zum Ende im Kopf behalten. „Wir waren jene, die wussten, aber nicht verstanden, voller Informationen, aber ohne Erkenntnis, randvoll mit Wissen, aber mager an Erfahrung. So gingen wir, von uns selbst nicht aufgehalten.“

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hatte ich dem Syrer noch schnell eine Nachricht geschickt. Dass sich unsere verabredete Uhrzeit auf die MEZ bezieht, also nicht auf arabische Zeit. Eine halbe Stunde zuvor hatte ich dem Iraker und der Thailänderin das deutsche Prinzip der „Schnittchen“ erklärt, die man abends bei einem eher zwanglosen Beisammensein reichen kann, für das es bei ihnen zu Hause keine Entsprechungen gibt. Dann hatte mir der Iraker noch erzählt, dass es in seiner Heimat völlig normal ist, wenn man eine Stunde später erscheint als versprochen, das ist kein Klischee, ich wollte also sichergehen. Was bei unserem syrischen Freund natürlich überflüssig ist. Fast auf die Minute genau stand er vor der Tür.

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sind schon wieder ganz verliebt. Zu viert oder fünft hängen sie am Knödelboy und stecken sich gegenseitig kleine Brocken in den Schnabel. Diese schwüle Wärme schlägt mir aufs Gemüt, auf die Knöchel, lässt mich von kühlen Bergseen träumen. So war das gestern Nachmittag auch. Und dann fing mein Herz auch noch an zu rasen, gerade als der Hausmann – er war der erste von uns dreien – mit dem Lesen angefangen hatte. Die Aufregung, da war sie wieder. Vermutlich hätte ich die Neuromeditation eine Woche lang nonstop hören müssen.

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die ersten Haselnüsse. Neben meinem Stuhl wirft Frau Amsel braune Blätter umher. „Die räumst du aber schön wieder zurück, gel?“ In der Vogeltränke badet eine Kohlmeise. Ich habe gute Laune. Das erstaunt mich. Denn eigentlich habe ich Lampenfieber. Deswegen sitze ich doch mit Stöpseln in den Ohren und höre quasi nebenbei eine Neuromeditation gegen Prüfungsangst. Die habe ich bei Sabine Bobert gefunden. Habe ich von dieser tollen Frau hier eigentlich schon geschwärmt? Ich glaube nicht. Dabei gehöre ich seit Monaten zu ihrer Fan-Gemeinde. Eine moderne Mystikerin, Professorin an der Uni Kiel, unkonventionell, uneitel, super schlau.

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Meine Begeisterung heute hielt sich in Grenzen. Eine Stunde in der Röhre, es ist mir ein Rätsel, wie Menschen bei dieser Untersuchung einschlafen können. Aber angeblich passiert das, jedenfalls hatte mir der nette Psychologe, der die Studie begleitet, davon berichtet. Vielleicht wollte er mir Mut machen. Damit ich in letzter Minute nicht abspringe bzw. gar nicht erst einfahre. Eine Stunde nicht bewegen, dazu die Geräusche im Kopf, die auch durch die Ohrstöpsel nicht viel leiser werden, das war mal eine echte Herausforderung.

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ist so groß, das ist eine Stadt in der Stadt. Natürlich habe ich mich verlaufen, aber in diesem Fall lag es nicht an meinem mangelnden Orientierungssinn, sondern an Google Maps. Egal. Pünktlich um 10 konnte es losgehen mit den vielen Fragen, den Fragebögen, den zu unterschreibenden Formularen, den Tests zur kognitiven Leistungsfähigkeit und den motorischen Fähigkeiten. Manches pipi einfach, anderes eine echte Herausforderung. „Beenden Sie die Sätze, die ich Ihnen vorlese, mit einem völlig sinnlosen Wort, das dort gar nicht hingehört.“

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