gestern wurde mir übel. Richtig übel. Da half auch der Chagatee nicht. Es hielt bis zum späteren Nachmittag. Ich habe mich mit einem Krimi von Jean-Luc-Bannalec aus der Kommissar Dupin Reihe unter die Kastanie gelegt und bin in der Bretagne verschwunden. Ich bin beim vierten Fall und mache mir jetzt schon Sorgen, was aus mir wird, wenn ich alle Teile gelesen habe. Ich mag die Bücher lieber als die Filme, auch wenn ich ein Fan von dem Schauspieler bin, der den Kommissar spielt. Mir gefallen die Figuren in den Büchern besser. Und – ein großes Plus, wie ich finde – ich kann in der Landschaft verschwinden, kann mich fortbeamen.

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haben sich heute in der Kirche getroffen. Um 18 Uhr sollte es losgehen, ich war viertel vor dort. Als ich ankam, hatten einige schon angefangen, eine kurzfristige Änderung, andere waren noch gar nicht da, es wuselten Erwachsene, Kinder herum, das ist nicht so meins. Mein erster Impuls, ich fahre wieder heim. Zumal ich die Maisonette vom Hausmann nicht hatte abschließen können, das Holz hat sich noch mehr verzogen, vielleicht sollte ich vor Ort sein. Als eine Art Wachhund? Besorgnis trifft auf Bockigkeit. Dann habe ich mich allerdings besonnen (kann ich auch) und bin geblieben, habe wie die anderen etwas zu dem Gemälde bzw. seinem Titel („Fest im Freien“) geschrieben.

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Mir setzt immer noch dieser blöde Infekt zu. Da ist der Platz unter der Kastanie genau richtig. Beine hoch legen, Chagatee trinken, Strickjacke aus-, Strickjacke wieder anziehen, ab und zu einen Blick auf den Hausmann werfen, der ein paar Meter von mir entfernt ebenfalls lesend in der Sonne sitzt. Später wird es die Reste vom Pflaumenkuchen geben. Keine gemeinsame Kaffeetafel bitte. Ich möchte weiter lesen. Wird großzügig gestattet. Und schon bin ich wieder bei den drei Frauen, die mein Leseleben entscheidend geprägt haben. Brigitte Reimann. Maxie Wander. Christa Wolf. Dass es dieses Buch über die drei gibt, habe ich in dem Wälzer mit Christa Wolfs Briefen entdeckt. Caroline Würfel. „Drei Frauen träumten vom Sozialismus“.

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Brot. Haferflocken. Hafermilch. Ich habe Quark, aber keine Kartoffeln. Hast du noch welche? Der Hausmann ist gerade in seiner Tür aufgetaucht. Hat er nicht. Vielleicht radle ich nachher nach Neustadt. Aber es geht dir nicht gut. Stimmt. Auch ihm fehlt das eine oder andere, er würde fahren. Doch eigentlich ist das doof. Ich schlage eine Bestandsaufnahme vor. Was hat jeder im Kühlschrank, in den Regalen? Damit kommen wir bis Montag hin, wir werden nicht verhungern. Für den Kuchen, den der Hausmann gleich backen will, ist alles da. Sogar Sahne. Ich wundere mich über mich selbst. Auch wenn mein Hals brennt, die Nase läuft, meine Bronchien fiepen, Appetit ist vorhanden. Nicht ganz so ausgeprägt wie sonst, aber da. Also. Keiner muss fahren. Keiner fährt.

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das Spiel beim Hausmann auf dem Bett an. Zwar habe ich ein wenig Sorge, ihn anzustecken, aber wenn, dann wäre das doch schon passiert, sagt er großzügig. Ich gebe mir Mühe, dezent zur anderen Seite zu schniefen und zu husten. Zwischen uns sein Tablet. Vor uns der weite Blick über die Wiesen, den Deich. So sitzen wir morgens manchmal beim Kaffee, abends eher nicht. Da macht jeder seins. Gerade als wir uns an den Gedanken gewöhnt haben, dass Deutschland das Spiel verliert, schießt Wirtz in der 89sten Minute das Ausgleichstor. Vor lauter Freude zerquetsche ich dem Hausmann fast den Arm. Jaaaa. Sie schaffen das. Sie reißen das rum. Und dann diese Gemeinheit. Dieses 2:1 in der 119ten Minute. 119!!! Ich habe Tränen in den Augen. Meine Laune unterirdisch.

 
 

mal wieder. Kein Wunder. Seit vorgestern mache ich schon wieder mit einem Infekt rum. Und dann hat sich anscheinend ein Wirbel verschoben. Mir tat die gesamte rechte Seite weh. Da werde ich später bei dem Kanal von Steffen Barth, dem Reha-Experten, vorbeischauen. Gegen 10 soll es regnen, vielleicht wäre es schlau, jetzt gleich zu Bäcker Hanne zu fahren. Viertel vor 8 sitze ich auf dem Rad. Das ist eine sehr ungewöhnliche Zeit für mich. Ich hatte noch nicht mal meinen zweiten Kaffee. Links auf der Wiese ein Kranichpaar. Ich steige ab und beobachte sie eine Weile. Hoffentlich bin ich ihnen nicht zu nahe gekommen. Aber sie bleiben, lassen mich schauen.

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Wie schade. Ich könnte immer weiter lesen. Und dann dieses Ende. „Ich bin unterwegs, mein Gepäck ist leicht.“ So schrieb es in den Neunzigern der damals 80jährige Fred Wander (1917 – 2006), dessen Erinnerungen „Das gute Leben“ mich aufgewühlt, bestürzt, am Ende aber auch beglückt haben. Aufgewühlt und nachträglich bestürzt haben mich die Berichte aus dem besetzten Frankreich, wohin der österreichische Jude Fritz Rosenblatt 1938 geflohen war, da die Stimmung in Wien schon lange vor Hitlers Einmarsch für Juden unerträglich war. Ich habe vergessen, dass auch in Österreich ein faschistisches Regime herrschte, dass zwischen 1933 und 1938 alle demokratischen Parteien verboten waren, dass Kommunisten verfolgt wurden. Was haben die Menschen gejubelt, als Hitler kam. Endlich.

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