Archiv für das Thema: Schreiben

Vor meinem Fenster treffen sich die Pfauenaugen. Sie stecken ihre zierlichen Rüssel in die Blüten des Efeus. Am liebsten würde ich ihnen sacht über den Rücken streichen, der Pelz sieht einladend aus. Mit der Kaffeetasse in der Hand beobachte ich das Hin und Her. Die Spanierin übt seit sie wieder da ist für die B1-Prüfung. Wir korrigieren den Brief, den sie über Feiertage in Spanien an eine fiktive Freundin geschrieben hat. Eigentlich müsste am Donnerstag alles klappen. weiter lesen »

 

Eben noch heftige Böen und Schauer körnigen Eises.  Jetzt Sonne. Ich drehe mich im Kreis. Öffne den Text, den ich vor ein paar Tagen angefangen habe, erinnere mich an das Glücksgefühl, das ich beim Schreiben  empfunden habe, juchu, vorbei die Blockade, und nun sitze ich hier. Lese. Koche mir den dritten Kaffee. Telefoniere mit einer Freundin. Schreibe eine Mail. Überlege, einen vierten Kaffee. Ich kann nicht. Kann nicht. Kann sowieso nicht. Und das werde ich jetzt 1000mal schreiben, wenn es sein muss. Basta.

 

Die Freundin hatte einen Magen-Darm-Infekt, sie ist noch schmaler geworden. Aber ich sollte natürlich den Kuchen essen, den sie mitgebracht hatte, während es für sie gerade mal ein kleines Butterbrot sein durfte. Mein verspätetes Geburtstagsgeschenk hatte sie auch dabei. Die Autobiografie von Marina Abramovic. Wir hätten uns also gleich wieder verabschieden können. Aber natürlich bin ich in der Lage, meine Neugierde zu zügeln. Zumal mir unsere Gespräche wichtig sind. Nur nicht, wenn es um das leidige Thema Schreiben geht. Um mein Schreiben noch dazu. weiter lesen »

 

Wache nach fünf Stunden Schlaf auf. Trinke Kaffee und suche Rezepte für Fingerfood. Zwar haben wir uns auf Schafskäse und Oliven geeinigt, aber das kommt mir doch etwas sehr sparsam vor. Der “Offene Garten” liegt mir auf dem Gemüt bzw. die Arbeit, die bis Samstag noch zu erledigen ist. Sollte im Vorgarten nicht auch der Rasen? Ich zerre den Mäher die Stufen hinauf, verhederre mich mit dem langen Kabel, renke mir fast die Hüfte aus, so richtig bin ich nicht bei der Sache. Und mehr als ein Potemkinsches Dorf kann das sowieso nicht werden. weiter lesen »

 

Der Körper schlapp. Kaputt. Alles schmerzt. Der Kopf sowieso. Ist das jetzt ein Dauerthema? Ich bewege mich langsam von hier nach da. Keine große Strecken. Der Garten der Nachbarin liegt in der Sonne. Warum denn da? Bei uns blühen die Schneeglöckchen und Krokusse. Ein richtiges Frühlings-Augen-Fest. Nach zwei Tagen mit Kindern bin ich völlig raus aus dem Schreib-Modus. Es sind noch mindestens 50 Seiten zu überarbeiten. Schaffe ich das überhaupt?

 

Mit Herrn W. am See. Pause bei Leberkäs und Kartoffelsalat. Später ein Jagertee. Unterhaltsam wie immer. Filme. Bücher. Beziehungen. Schreiben. Obwohl ich mich ja kaum noch zu fragen traue, wie er mit seinem Text voran kommt, ob er überhaupt. Immer wieder das alte Thema. Ich halte ihn für einen Schreiber, für einen Poeten vor dem Herrn noch dazu, ermuntere ihn, während er sich verunsichert fühlt und es gerade wieder sein lässt. Weil er im Vergleich zu gewissen anderen Menschen nichts zu erzählen hätte. Und mit einer so vielschichtigen Vergangenheit könne er auch nicht aufwarten. Ich möchte ihn hauen. weiter lesen »

 

Der Mensch an sich ist ambivalent. Mal ist er von seiner Größe überzeugt, dann wieder empfindet er sich als Wurm. Mal denkt er alles kaputt, dann  hat er Momente großer Kraft und Stimmigkeit. Und sehr oft denkt er – was interessiert mich mein Geschwätz von vor einer Woche, einem Monat. Oder bin nur ich so? Eine Freundin sagte einmal, sie könne nur das schreiben, was sie selbst auch gern lesen würde. Dann habe ich das letzte Buch wohl für mich geschrieben. Ich mag es, wenn man mir aus dem eigenen Leben erzählt, von den Höhen und Tiefen. Wenn ich dann noch lachen und weinen kann beim Lesen, fühle ich mich am Ende gar versöhnt. Mit mir selbst. Und mit dem Leben natürlich.

 

Fast 50 Seiten Text-Überarbeitung geschafft. Und ganz nebenbei eine große Freude: Mein Manuskript wurde bei dotbooks in ein falsches Format übertragen, es hat also keine 450, sondern tatsächlich meine 250 Seiten, und da muss auch nicht so viel gekürzt werden. Aber alles andere, da will ich fügsam sein. Kürzere Kapitel, die Liebesgeschichte langsamer angehen, die Angst vielleicht weniger einschneidend zeichnen. Aber ob das alles was wird? Nicht nur was, sondern gut am Ende?

 

Mit dem goldigen Retriever am See. Finde es geradezu frühlingshaft. Kommt er jetzt? Der Frühling? Bin ich deswegen so  heiter? Wenn ich dann später mit dem Redner beim Wein sitze, wir uns alle Neuigkeiten erzählt haben, bin ich immer noch  froh. Vielleicht, weil ich mich entschieden habe. Ich werde mich noch einmal an das Manuskript setzen, die Änderungen vornehmen wie gewünscht. Sonst liegt es hier nur noch weitere 10 Jahre auf meiner Festplatte. Bis Ende März sollte das zu schaffen sein.

 

Die Rentenstelle wünscht sich eine ausführliche Erklärung. Warum ist die Person so bockig und will nicht noch einmal eine Reha machen? Bockig schreiben sie natürlich nicht. Soll ich ihnen vielleicht das Buch?  Also bitte, verfasse ich eine Erklärung, schicke sie der Anwältin, die sie weiter leiten wird. Und dann beschleunigt sich mein Puls ein wenig, eine Mail von dotbooks. Damit habe ich nicht mehr gerechnet. Habe es im Geiste unter “ferner liefen” abgelegt. weiter lesen »