Archiv für das Thema: Theater

Es war meine Schuld, dass wir in Babelsberg in die falsche Straßenbahn gestiegen sind. Falsche Richtung, falsche Linie. Nur weil ich da eine neun gesehen hatte. Aber weil wir früh genug dran waren, haben wir es noch pünktlich ins Theater geschafft. Obwohl ich in der fabrik Potsdam  im letzten Jahr Gospel gesungen habe, konnte ich mich an den Weg überhaupt nicht mehr erinnern. Wir sind dann einfach zwei jungen Frauen hinterhergelaufen. Die sich zwar auch nicht auskannten, die aber sehr optimistisch ausschritten. weiter lesen »

 

Mit der S-Bahn bis zum Hackeschen Markt. Weiter mit der Tram. Über das bunte Treiben im Prenzl können sich  Landpomeranzen nur wundern. Was leben wir doch beschaulich in unserem kleinen Dorf. Ich war eingeladen zu Nico and den Navigators. Weil es mit dem Verlag für das Buch der Freundin geklappt hat. Was ich auch gar nicht anders erwartet hatte. Ein Abend mit Bach-Kantaten, nun gut, ich war gewillt, mich einzulassen. weiter lesen »

 

Seit Monaten schwärmen die Mädels von dem Stück „Tagebuch eines Wahnsinnigen“, das im Deutschen Theater gespielt wird. Meist ist es ausverkauft. Aber nun habe ich doch noch zwei Karten erwischt. Eine bekommt Freundin B. nachträglich zum Geburtstag.  Die Kammerspiele sind bis auf den letzten Platz ausverkauft, aber es ist auch alles eine Nummer kleiner hier. Samuel Finzi, den ich vor allem aus einer eher harmlosen Krimiserie kenne, entpuppt sich als grandioser Darsteller.Wenn nicht die Spache einige Hinweise auf den Ort der Handlung gäbe – Russland Ende des 19. Jhd. – man könnte auch auf die heutige Zeit schließen. weiter lesen »

 

Mehl auf die Arbeitsfläche, aus dem vorbereiteten Teig zwölf Kugeln formen, die dürfen noch ein wenig ruhen, bevor sie geknetet und ausgerollt werden. Zu guter Letzt Tomatensoße und Käse drüber, fertig sind die Minipizzen. Während ich liebevoll und zärtlich auf mein Werk blicke, wer hätte gedacht, dass ich mich in diesem Leben noch zur Pizzabäckerin mausere, ich auf jeden Fall nicht, da sehe ich die Frau mit dem großen, schweren Rucksack, den sie mit Vorliebe auf unseren Korb mit Keksen knallt, wenn sie den Bankautomaten benutzt. weiter lesen »

 

Die Tage rennen an mir vorbei, ich habe mal wieder Mühe, hinterher zu kommen. Besuch bei der Freundin im Krankenhaus, die am Montag operiert wird und neue Hoffnung schöpft. Wie gut sie aussieht trotz Krankheit. Wir reden, lachen, man könnte meinen, ein normaler Freundinnentreff. Wäre da nicht die eigenartige Atmosphäre, die sogar im Besucherraum spürbar ist.

Wir loben die breiten Alleen vor der Tür, stellen uns Spaziergänge unter blühenden Kastanien vor, sehen uns auf weißen Bänken rasten. Alles wird gut. Sagen wir, und wir glauben es auch.  weiter lesen »

 

Ich sitze am Fenster und schau in den Hof. Das ist meditativ. Das übt. Sollte es heute nicht Schnee geben? Am Himmel keine Wolke. Die Birke kahl. Den Balkon gegenüber hat man noch nicht geschmückt. Gleich ist es dunkel.  Der Skulptur von K. habe ich eine Lichterkette um den Hals gelegt. Interessante Neuigkeiten sind das.  weiter lesen »

 

Brecht hatte es gut. Ein Haus am See, ein riesiges Studio, in dem man arbeiten oder Gäste empfangen kann, Krimis lesen, was ein Mann halt so tut, wenn er sich vorübergehend aus der Stadt zurück zieht in die Sommerfrische. Die Frau schickt er in die Pilze und tändelt derweil mit attraktiven Schauspielerinnen. Dort hat er auch die Buckower Elegien geschrieben, die seinen Brief an Ulbricht vom 17. Juni 1953, in dem er seine Sympathien für die Maßnahmen der Regierung bekundet, nachträglich vielleicht ein wenig korrigieren sollten. weiter lesen »

 

Das Arbeitspensum ist nicht zu schaffen. Ich sitze von 8 bis 18 Uhr im Büro, und ich sitze dort nicht nur, ich arbeite zügig, und komme trotzdem nicht hinterher. Auf meinem Schreibtisch stapeln sich die Aufträge, ich kann nur das aller notwendigste erledigen. An mangelndem Organisationstalent liegt es nicht. Den meisten Kollegen geht es ähnlich. Zwei Drittel der ehemaligen Belegschaft muss ein größeres Pensum als früher bewältigen. Und darüber sollen wir froh sein, denn immerhin gehören wir nicht zu denen, die man vorletztes Jahr entlassen hat. Sogar in diesem Jahr sind unsere Arbeitsplätze gesichert. weiter lesen »